Geimpfte leben länger!
Studie beweist: Mit mRNA geimpfte Personen haben ein 25 % geringeres Sterberisiko
Immer wieder flammt die Diskussion über Langzeitfolgen von Corona-Schutzimpfungen mit mRNA-Impfstoffen auf. Eine landesweite französische Kohortenstudie hat nun ein überraschendes Ergebnis zutage gefördert. Ein Team um Dr. Laura Semenzato von der EPI-PHARE Scientific Interest Group in Epidemiology of Health Products hatte sich die Daten von rund 28,6 Millionen Menschen in Frankreich vorgenommen. Davon waren 22,7 Millionen mit einem mRNA-Impfstoff gegen einen schweren Verlauf von COVID-19 geimpft worden, weitere 5,9 Millionen blieben ungeimpft. Das Ergebnis war verblüffend: Das Sterberisiko der Geimpften lag um 25 Prozent niedriger als das der Ungeimpften – und zwar über alle Todesursachen hinweg, nicht nur im Zusammenhang mit Corona. Der Schutz, den eine mRNA-Impfung offenbar bietet, scheint sich also weit über die eigentliche Erkrankung hinauszudehnen. Warum das so ist, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Vier Jahre Beobachtungszeit
Für ihre Untersuchung, die im Fachmagazin JAMA Network Open veröffentlicht wurde, werteten die Forschenden Daten aus dem französischen Gesundheitssystem aus – von November 2021 bis März 2025, also über einen Zeitraum von fast vier Jahren. Einbezogen wurden alle Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren, die am 1. November 2021 in Frankreich lebten. Die meisten Geimpften hatten ihre erste Dosis zwischen Mai und Oktober 2021 erhalten, überwiegend mit den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna. Im Beobachtungszeitraum starben 98.429 der 22,7 Millionen Geimpften, das entspricht 0,4 Prozent. In der deutlich kleineren Gruppe der 5,9 Millionen Ungeimpften waren es 32.662 Todesfälle, also 0,6 Prozent. Wegen der unterschiedlichen Gruppengrößen lassen sich diese Rohdaten nicht direkt gegenüberstellen – erst nach statistischer Gewichtung ergibt sich die vielzitierte Zahl von 25 Prozent.
Anpassung an über 40 Gesundheitsfaktoren
Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, glichen die Forschenden die beiden Gruppen statistisch an – unter anderem nach Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status und 41 verschiedenen Vorerkrankungen. Erst dieser adjustierte Vergleich ergab die 25 Prozent niedrigere Gesamtsterblichkeit bei Geimpften. Bemerkenswert: Die Geimpften hatten zu Studienbeginn im Schnitt sogar häufiger Vorerkrankungen wie Herzleiden als die Ungeimpften – ihr insgesamt geringeres Sterberisiko lässt sich also nicht einfach damit erklären, dass von vornherein gesündere Menschen zur Impfung gegriffen hätten. Besonders groß war der Unterschied in den ersten sechs Monaten nach der Impfung: Hier lag die Sterblichkeit der Geimpften sogar 29 Prozent niedriger.
Deutlicher Effekt bei Corona-Todesfällen
Am stärksten zeigte sich der Unterschied erwartungsgemäß bei Todesfällen durch schwere COVID-19-Verläufe: Hier hatten Geimpfte ein um 74 Prozent geringeres Risiko zu sterben. Doch selbst wenn man diese Corona-Todesfälle komplett herausrechnet, blieb die Gesamtsterblichkeit der Geimpften niedriger. In einer Zusatzanalyse schlüsselten die Forschenden die Todesursachen zusätzlich nach der internationalen Klassifikation ICD-10 auf – etwa in Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und äußere Ursachen wie Unfälle. Auch hier zeigte sich bei Geimpften tendenziell eine niedrigere Sterblichkeit, wenn auch nicht bei jeder einzelnen Kategorie gleich stark ausgeprägt.
Offene Fragen zur Erklärung
Warum Geimpfte in dieser Studie über alle Todesursachen hinweg ein geringeres Sterberisiko aufwiesen, können die Autorinnen und Autoren nicht abschließend erklären. Sie verweisen auf einen möglichen “Healthy-Vaccinee-Effekt”: Menschen, die sich impfen lassen, könnten trotz statistischer Angleichung im Schnitt gesundheitsbewusster leben oder das Gesundheitssystem generell aufmerksamer nutzen als überzeugte Impfgegner – Faktoren, die sich nicht vollständig aus den vorhandenen Daten herausrechnen lassen. Die Forschenden weisen zudem darauf hin, dass in Frankreich eine kategorische Ablehnung der Impfung mit stärkerer Impfskepsis, niedrigerem Bildungsniveau und einer weniger ernsten Wahrnehmung von COVID-19 einherging. Auch ärmere Bevölkerungsschichten ließen sich trotz kostenloser Impfangebote seltener impfen. Ein Kausalzusammenhang zwischen Impfung und dem breiten Sterblichkeitsvorteil ist damit nicht bewiesen, aber die Daten sprechen gegen ein erhöhtes Sterberisiko durch die Impfung.
Erste Studie ihrer Art
Nach eigenen Angaben ist es die erste bevölkerungsbezogene Studie, die Unterschiede in der Gesamtsterblichkeit zwischen Geimpften und Ungeimpften über einen Zeitraum von vier Jahren nach der ersten Impfdosis untersucht – und die erste, die sich gezielt mit der langfristigen Sterblichkeit bei jüngeren Menschen befasst, bei denen ein schwerer COVID-19-Verlauf ohnehin seltener ist. Die Ergebnisse bestätigen aus Sicht der Autorinnen und Autoren vor allem eines: Ein erhöhtes Sterberisiko durch die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna lässt sich auch nach vier Jahren nicht erkennen.
Peter S. Kaspar
Quelle:
Pharmazeutische Zeitung: „mRNA-Impfung senkt mittelfristig das allgemeine Sterberisiko“, www.pharmazeutische-zeitung.de/mrna-impfung-senkt-mittelfristig-das-allgemeine-sterberisiko-161131/



Deagreez, istock
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