Was Hitze mit dem Körper macht

Hitze

Große Hitze ist gefährlich – dem trägt auch der Arbeitsschutz Rechnung, der die Beschäftigten mit vielen Bestimmungen vor den Auswirkungen großer Hitze zu schützen sucht. Doch das ist nicht immer erfolgfreich. Die besten Bestimmungen zum Thema Hitze am Arbeitsplatz nützen wenig, wenn Beschäftigte sich nicht daran halten oder schlicht und einfach unvernünftig sind. Klettert das Thermometer ober 30, 35 oder gar 40 Grad im Schatten, ist immer Gefahr im Verzug. Daher ist es auch dringend geboten, dass die Mitarbeitenden auch untereinander aufeinander Acht geben. DOKTUS zeigt die Warnsignale auf, die bei zu großer Hitze auf ernste Probleme hinweisen.

Wenn der Körper ins Schwitzen gerät

Der menschliche Körper ist ein erstaunlich effizientes System zur Temperaturregulierung – aber auch eines mit klaren Grenzen. Bei großer Hitze kühlt er sich durch Schwitzen ab: Pro Stunde können dabei bis zu einem Liter Flüssigkeit verloren gehen, bei schwerer körperlicher Arbeit im Freien sogar deutlich mehr. Mit der Flüssigkeit verliert der Körper auch lebensnotwendige Elektrolyte wie Natrium und Kalium. Wird dieser Verlust nicht rechtzeitig ausgeglichen, gerät die innere Balance des Organismus ins Wanken. Was zunächst harmlos wirkt – ein leichtes Schwitzen, ein Gefühl von Wärme – kann sich rasch zu einem medizinischen Notfall entwickeln.

Hitzeerschöpfung: Die Vorstufe des Ernstfalls

Das erste ernste Warnsignal ist die Hitzeerschöpfung. Betroffene wirken blass und fühlen sich schwach, klagen über Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen. Der Puls ist beschleunigt, der Blutdruck abgefallen. Manchmal kommt es zu Muskelkrämpfen, besonders in den Beinen. Die Körpertemperatur ist erhöht, bleibt aber meist noch unter 40 Grad. Wer diese Zeichen bei sich selbst oder bei Kollegen beobachtet, muss sofort handeln: kühler Ort, Hinlegen mit hochgelagerten Beinen, viel trinken – und wenn keine rasche Besserung eintritt, ärztliche Hilfe holen.

Vorsorge Bildschirm G 37

Hitzschlag: Wenn es lebensbedrohlich wird

Noch gefährlicher ist der Hitzschlag. Hier versagt die körpereigene Temperaturregulation vollständig. Die Körpertemperatur steigt auf über 40 Grad, die Haut ist heiß und oft auffallend trocken – denn der Körper schwitzt nicht mehr. Betroffene sind verwirrt, desorientiert oder nicht mehr ansprechbar. In schweren Fällen drohen Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit. Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall: sofort den Notruf 112 wählen, die Person in den Schatten bringen und mit feuchten Tüchern oder Eispackungen kühlen – vor allem Nacken, Achseln und Leisten.

Der Urin zeigt, was der Körper braucht

Ein oft unterschätztes, aber äußerst zuverlässiges Warnsignal für drohende Dehydrierung liefert der eigene Körper ganz ohne Messgerät: die Farbe des Urins. Wer gut hydriert ist, scheidet hell- bis mittelgelben Urin aus. Wird die Farbe dunkler – intensiv gelb, bernsteinfarben oder gar bräunlich – ist das ein klares Zeichen, dass dem Körper Flüssigkeit fehlt. Dunkelbrauner Urin kann sogar auf eine gefährliche Rhabdomyolyse hinweisen, einen Muskelzerfall, der bei extremer Hitze und körperlicher Belastung auftreten kann. Einige Betriebe haben damit gute Erfahrungen gemacht, in Sanitäranlagen einfache Farbvergleichstabellen anzubringen – direkt über den Toiletten oder an den Waschbecken. Solche Tabellen, die von hell nach dunkel die Hydrationsstufen zeigen, machen die Selbstkontrolle niedrigschwellig und ohne jedes Vorwissen möglich. Was banal klingt, kann Leben retten: Wer rechtzeitig erkennt, dass er zu wenig trinkt, kann gegensteuern, bevor aus Müdigkeit und Schwindel ein Notfall wird.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Hitze trifft nicht alle gleich hart. Ältere Beschäftigte, Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetiker und Personen, die bestimmte Medikamente nehmen, sind besonders gefährdet. Gleiches gilt für alle, die im Freien oder in schlecht belüfteten Räumen arbeiten. Wer die Warnsignale kennt – Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, dunkler Urin – und bei sich selbst oder anderen konsequent darauf achtet, kann im Ernstfall den entscheidenden Unterschied machen. Trinken, bevor der Durst kommt. Pause machen, bevor die Kraft nachlässt. Und im Zweifel: fragen, ob es dem Kollegen wirklich gut geht.

Peter S. Kaspar

Bildquelle: iStock, Tatiana Kubara

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