Nummer 4 lebt

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Es ist in, alle möglichen Begriffe mit einer Seriennummer zu versehen. Das suggeriert Fortschritt und Innovation. Bei der Arbeitsmedizin sind wir inzwischen bei 4.0 angelangt. Wobei es gar nicht so sicher ist, ob es überhaupt eine Arbeitsmedizin 1.0, Arbeitsmedizin 2.0, oder eine Arbeitsmedizin 3.0 gegeben hat. Tatsächlich knüpft diese Bezeichnung an Arbeit 4.0 an, der dem Begriff Industrie 4.0 gegenüber steht. Wenig überraschend gibt es auch noch den Begriff Arbeitssicherheit 4.0. Auch wenn diese Begrifflichkeit einer gewissen Modeerscheinung geschuldet ist, hat sie doch einen großen Vorteil. Dass das 4.0 signalisiert, dass es bei all den genannten Fachbereichen um ein ganz ähnliches Thema geht. Wie passen sich Arbeit und Industrie Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz den neuen technischen Gegebenheiten an? Wie werden neue Ressourcen genutzt, die durch den Gebrauch von Hochgeschwindigkeitsrechnern und künstlicher Intelligenz entstehen? Wie organisiert man neue Arbeitsformen, sei es im Homeoffice oder im Co-Working-Space. DOKTUS hat diese interessante vierte Generation unter die Lupe genommen.

Herausforderungen für die Arbeitsmedizin

Auf Betriebsärztinnen und Betriebsärzte kommen in den nächsten Jahren gewaltige Veränderungen zu. Vor allem die Gefährdungsbeurteilung, eine Kernkompetenz der Arbeitsmediziner, wird sich vermutlich deutlich ändern. Einerseits muss sie den veränderten Arbeitsformen Rechnung tragen. Die betriebsmedizinischen Herausforderungen sind zum Beispiel in einem traditionellen Großraumbüro ganz andere als im Homeoffice. Andererseits werden sich Betriebsmediziner in Zukunft auch mit neuen Krankheitsbildern auseinandersetzen müssen.

Nur eine Frage der Technik?

Um die Chancen der Arbeitsmedizin 4.0 auch optimal nutzen zu können, ist eine hohe Bereitschaft, sich mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen, notwendig. Dazu ist natürlich auch eine große Bereitschaft erforderlich, sich mit modernsten Entwicklungen positiv zu beschäftigen. Ein Betriebsarzt, der aus verschiedenen Beweggründen nicht mit einer künstlichen Intelligenz arbeiten will, wird in den nächsten Jahren vermutlich gewisse Probleme in seinem Job bekommen. Auch wird er sich darauf einstellen müssen, dass sich seine Arbeitsweise ändern wird, sei es durch Telemedizin oder die Nutzung der elektronischen Patientenakte.

Vorsorge Bildschirm G 37

Präventiv ganz individuell

Betriebsärztinnen und Betriebsärzte müssen sich auch darauf einstellen, dass die Prävention in Zukunft viel individueller angelegt sein wird. Auch wird sie altersspezifischer werden. Über eine Fülle von Daten über die jeweiligen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können Betriebsmediziner ganz gezielt Vorsorgeprogramme für einzelne Personen in Sekunden schnelle erstellen. Das setzt allerdings voraus, dass die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden deutlich zunimmt. Auch das wird die Aufgabe von Betriebsmedizinern sein, ihren Schutzbefohlenen klarzumachen, dass Arbeitssicherheit auch sehr stark vom eigenen Verhalten abhängt.

Vernetzung und Kommunikation

Eine bessere Integration von Prävention, betrieblicher Gesundheitsförderung und kurativer (heilender) Medizin wird in den nächsten Jahren ein ganz bedeutendes Thema in der Betriebsmedizin sein. Die Arbeitsmedizin nimmt eine koordinierende Rolle ein, als Schnittstelle zwischen Arbeitsschutz, Gesundheitsmanagement und dem individuellen Gesundheitszustand der Beschäftigten. Im Klartext bedeutet das, dass sich die Betriebsmedizin bis zu einem gewissen Grad neu erfinden wird.

Neue Kompetenzen

Das alles erfordert von den Arbeitsmedizinern völlig neue Kompetenzen. Sie müssen sich das notwendige Wissen über neue Technologien, Datenanalyse und die psychologischen Auswirkungen der Arbeit 4.0 auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aneignen. Der klassische alte Betriebsarzt hat mit der Arbeitsmedizin 4.0 ausgedient. An seiner Stelle tritt nun ein neuer Typus des Betriebsmediziners, der sich viel stärker als in früheren Jahren mit neuen Techniken und neuen Kommunikationsformen auseinandersetzen muss. Tut er das gut, bedeutet dies aber einen großen Sprung für die gesamte Betriebsmedizin.

Peter S. Kaspar

Bildquelle: Fotolia

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