Viel zu laut
Wenn es um das Thema Lärmschutz geht, klingeln bei Betriebsmedizinerinnen und Betriebsmedizinern die Alarmglocken oft besonders laut. Lärmbedingte Berufskrankheiten landen in schöner Regelmäßigkeit unter den drei häufigsten Berufskrankheiten eines Jahres. Lediglich während der Corona-Zeit rutschten die Zahlen ein wenig. Eines ist klar. Wer zu lange zu lauten Geräuschen ausgesetzt ist, wird zwangsläufig irgendwann einmal schwerhörig. Doch es sind nicht nur Hammer, Ambos und Steigbügel, die drei Gehörknöchelchen, die vom Krach beeinträchtigt werden. Auch der Kreislauf und die Psyche können dadurch ins Mittleidenschaft gezogen werden. DOKTUS har sich über den Lärm kundig gemacht.
Was heißt hier zu laut?
Wie eigentlich immer, wenn es um Emissionen geht – und da gehören Geräusche dazu – ist alles erst mal eine Frage des Grenzwertes. Im Falle des Lärms sind es 85 Dezibel, gemessen mit Filter A. Fachlich ausgedrückt sieht das dann so aus: 85 dB/A. Das ist zwar noch nicht soo laut, aber doch laut genug, um einen Hörschaden zu riskieren, wenn man dem Geräusch dauerhaft ausgesetzt ist. Es geht aber noch schlimmer. 150 dB/A gelten betriebsmedizinisch als Arbeitsunfall. Die ganze Pracht der 150 Dezibel entfalten sich aber normalerweise erst bei einem großen Knall. Je nach dem, wo man gerade steht, reicht der dann locker, das Trommelfell reißen zu lassen. Die Herausforderung für den Arbeitsschutz besteht also darin, einerseits die Lärmquellen zu identifizieren und sie nach Möglichkeit leiser zu machen und da, wo das unmöglich ist, für den größtmöglichen Schutz vor akuten und Dauerschäden zu sorgen. Das ist schon deshalb nicht so einfach, weil gerade die lärmintensiven Branchen sehr unterschiedlich angelegt sind und nicht alle Schutzmaßnahmen eins zu eins umgesetzt werden können.
Was sind die lärmintensivsten Berufe?
Die Hitliste der fünf Berufe, die dem meisten Lärm ausgesetzt sind, zeigt ein verblüffendes Ergebnis. Mindestens zwei Berufe sind dabei, die man dort nicht vermutet hätte. Und auf Platz eins steht nicht etwa der Bauarbeiter mit dem Presslufthammer. Der lauteste Arbeitsplatz ist der Flughafen. Auf dem Vorfeld sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft 140 dB ausgesetzt. Erst dann folgen Bauarbeiter mit Presslufthämmern und Asphaltfräsen. Sie bringen es auf 120 dB. Und dann kommt die erste große Überraschung. Barkeeper arbeiten oft in einer Umgebung, die es locker auf 110 dB bringt. Das sind immer noch 5 dB mehr, als die durchschnittliche Geräuschkulisse, mit der es Abbrucharbeiter zu tun haben, die mit kräftigen Bohrhämmern hantieren. Auf dem fünften Platz folgt eine weitere verblüffende Berufsgruppe, die man dort nicht erwartet hätte: Es handelt sich um Zahnärzte. In diesem Fall sind es allerdings nicht die lauten dB-Zahlen, die aufs Gehör schlagen. Viel problematischer ist der hochfrequente Dauerton von Bohrern und Schleifern und vor allem von den kleinen Turbinen, die die Werkzeuge antreibt.
Wer bekommt was aufs Ohr?
Schon ab einer Dauerbelastung von 80 dB empfiehlt es sich einen Hörschutz zu tragen, ab 85 wird es dann zur Pflicht. Doch nicht jeder Hörschutz passt zu jedem Beruf. Ein Barkeeper mit einem fetten dicken Ohrschutz auf dem Kopf, passt vielleicht nicht ganz in das Ambiente einer Bar oder eines Clubs. Auf einem Flughafen dagegen ist das ein völlig normales Outfit. Vermutlich würde ein Paar Oropax auch wenig gegen die riesigen Flugzeugturbinen ausrichten können. Dabei sind diese kleinen Ohrstöpsel durchaus praktisch und oft viel bequemer als ein klobiger großer Ohrschutz. Doch die kleinen Ohrstöpsel sind auch für andere Berufe wenig geeignet – und zwar nicht, weil sie den Lärm zu schwach dämmen würden. Etwa dort wo Metall oder Holz zerschnitten, zersägt oder zerspant wird, sind Ohrstöpsel eine denkbar schlechte Idee, um das Gehör zu schützen. In einer Umgebung, die voller Staub ist, können Holz- oder Metallrückstände durch Stöpsel, die in den Gehörgang eingeführt werden, immer tiefer in Richtung Mittel- und Innenohr geschoben werden, was dann unweigerlich irgendwann zu sehr schmerzhaften Entzündungen führen kann.
Fazit
Die beste Möglichkeit zur Prävention gegen den Lärm ist noch immer, ihn gar nicht erst zuzulassen. Wenn er sich dann nicht vermeiden lässt, ist der nächste Schritt, ihn nach Möglichkeit zu dämmen. Der persönliche Schutz vor Lärm, steht an dritter Stelle. Aber dann muss der Gehörschutz, der angewendet wird auch dem Beruf adäquat sein und darf nicht eine andere gesundheitliche Gefahr heraufbeschwören.
Peter S. Kaspar
Bildquelle: iStock, Jun









