Ein Arbeitsunfall bringt zweifach höheren Lohnersatz

notarztOb einem Arbeitnehmer ein Unfall während der Freizeit oder bei der Arbeit zustößt; ob ein Verkehrsunfall auf einer Wochenendtour oder auf einem Arbeitsweg Verletzungen zur Folge hat: Die körperlichen Schmerzen sind dieselben. Finanziell allerdings kann es durchaus von Bedeutung sein, ob man sich eine Krankheit durch einen „Arbeitsunfall“ zugezogen hat. Es kann deshalb sehr lohnen, sich für die Anerkennung eines Arbeitsunfalls einzusetzen, wenn die Berufsgenossenschaft anderer Auffassung sein sollte.

Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen, die arbeitsunfähig krank sind, erhalten als Verdienstersatz Krankengeld, wenn der Lohn- beziehungsweise Gehaltsanspruch gegen die Firma abgelaufen ist. Ist ein Arbeits- oder Wegeunfall Grund für den Arbeitsausfall, so besteht Anspruch auf „Verletztengeld“. Das ist der Lohnersatz der Berufsgenossenschaften.

Berechnungsgrundlage „Regellohn“ – Und der kann – bei Verdiensten über der Leistungsbemessungsgrenze von 4.425,00 Euro in der Krankenversicherung – erheblich höher sein als das Krankenkassen-Krankengeld. In der Unfallversicherung gelten nämlich weit höhere Grenzbeträge. Das Verletztengeld wird von einem „Regellohn“ berechnet, der dem zuletzt erzielten regelmäßigen Bruttoarbeitsentgelt entspricht. Der höchste Regellohn beträgt zum Beispiel bei den Krankenkassen 147,50 Euro pro Tag, bei den gewerblichen Berufsgenossenschaften dagegen zwischen 203,00 Euro und 266,67 Euro je Kalendertag – je nach Unfallversicherungsträger.

Berechnet wird das Verletztengeld nach Ablauf der Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber nach den Sätzen der Berufsgenossenschaft. Ausgezahlt wird es allerdings in deren Auftrag von den Krankenkassen.

Großzügiges Verletztengeld – Das bei Arbeits- oder Wege-Unfällen zustehende Verletztengeld macht 80 Prozent des vorher regelmäßig erzielten Bruttoverdienstes aus; maximal gibt’s das regelmäßige Nettoarbeitsentgelt. Beträgt der Bruttolohn eines Arbeitnehmers zum Beispiel 120 Euro kalendertäglich, also 3.600 Euro im Monat, so ergibt das ein Verletztengeld der gesetzlichen Unfallversicherung von 96 Euro pro Tag. Das höchste Verletztengeld beläuft sich bei den Berufsgenossenschaften auf 162,40 Euro bis 213,36 Euro täglich – wiederum je nach Versicherungsträger; das höchste Brutto-Krankengeld beträgt dagegen nur 103,25 Euro pro Tag.

Beitragsabzüge schmälern die Leistungen – Übrigens: Sowohl vom Krankengeld der Krankenkassen als auch vom Verletztengeld der Berufsgenossenschaften werden Beiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherung in Höhe von 10,80 Prozent abgezogen und an die Rentenanstalt sowie die Arbeitsagentur abgeführt (Beiträge zur Pflegeversicherung in Höhe von 2,55 Prozent – zuzüglich gegebenenfalls 0,25 Prozent Beitragszuschlag für Kinderlose – dürfen allerdings nur am Krankengeld gekürzt werden). Mindestens denselben Betrag legen Krankenkasse beziehungsweise Berufsgenossenschaft – sozusagen als „Arbeitgeberanteil“ – drauf. Für Bezieher von Verletztengeld sind zwar auch Beiträge zur Krankenversicherung zu zahlen, diese übernimmt aber die Berufsgenossenschaft in Höhe von 7,3 Prozent – zuzüglich des Zusatzbeitrags von (zum Beispiel) 0,9 Prozent, der ansonsten zulasten der Versicherten geht.