Müssen Unternehmen über betriebliche Ersthelfer verfügen?

Unternehmen betriebliche Ersthelfer Pflicht

Die Ausbildungszeit zum Ersthelfer ist gesetzlich mit mindestens neun Stunden festgesetzt worden.

Absolute Sicherheit gibt es nirgendwo – auch und schon gar nicht am Arbeitsplatz. Verletzungen und Unfälle während der Arbeit können in jedem Unternehmen zu jeder Zeit geschehen.

Zu den vielen gesetzlich vorgeschriebenen Sorgfaltspflichten der Arbeitgeber in Deutschland zählt daher auch die Ausbildung von Mitarbeiter/innen zu Ersthelfern. Diese Regelung gilt grundsätzlich für alle Unternehmen mit mindestens zwei versicherten Mitarbeitern. Doch damit allein ist der Sorgfaltspflicht noch nicht Genüge getan. Die ausgebildeten Ersthelfer müssen tatsächlich vor Ort zur Verfügung stehen, wo ihre Kenntnisse im Notfall gebraucht werden. Konkret verlangt der Gesetzgeber, dass in jedem Unternehmen von zwei bis 20 anwesenden Versicherten mindestens eine Ersthelferin oder ein Ersthelfer präsent ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die betriebliche Anwesenheit auf die Büroräume des Unternehmens, um Montagestellen, Baustellen oder sonstige außerbetriebliche Arbeitsstätten handelt.

Anwesenheit von Ersthelfer muss zu jeder Zeit gewährleistet sein

Gesetzesgrundlage hierfür ist §26 der Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Dieser schreibt vor, dass „die erforderliche Anzahl an Ersthelfern im Betrieb zu jeder Zeit gewährleistet“ sein muss. Deshalb sollte die betriebsinterne Anzahl der ausgebildeten Ersthelfer immer unter Berücksichtigung von Fehlzeiten wegen Krankheit, Urlaubs und Schichtdienstes festgelegt werden. Ein einzelner ausgebildeter Ersthelfer ist also im Zweifelsfall nicht ausreichend. Zu beachten ist auch, dass Unternehmen nur solche Personen als Ersthelfer einsetzen dürfen, die bei einer Organisation oder Behörde ausgebildet wurden, die auch für die Ausbildung zur Ersten Hilfe vom Unfallversicherungsträger ermächtigt ist.

Anders ist der Sachverhalt, wenn ein Unternehmen größer aufgestellt ist und mehr als 20 Mitarbeiter/innen hat. Dann kommt es auch darauf an, in welcher Branche eine Firma tätig ist. In Handels- und Verwaltungsbetrieben müssen zumindest fünf Prozent der anwesenden Versicherten als Ersthelfer ausgebildet sein. In Handwerksbetrieben, im produzierenden Gewerbe sowie in Hochschulen und Fachhochschulen gilt sogar eine Zehnprozent-Regelung. Bei Kindertagestätten ist die Regelung noch strikter: Hier muss die Anwesenheit eines Ersthelfers oder einer Ersthelferin für jede einzelne Gruppe gewährleistet sein.

Mehrere Unternehmen können gemeinsame Ersthelfer stellen

Im Übrigen müssen Unternehmen nicht zwingend auf Ersthelfer zurückgreifen, die dort auch angestellt sind. Der Gesetzgeber hat nur bestimmt, dass Ersthelfer anwesend sein müssen. Für den Fall, dass mehrere Firmen zum Beispiel an einer Baustelle oder in einer Bürogemeinschaft tätig sind, können sie selbstverständlich gemeinsam Ersthelfer stellen. Sollten Mitarbeiter/innen hauptberuflich durch ihre Ausbildung über Erste-Hilfe-Kenntnisse verfügen, wie etwa Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger, Hebammen oder Physiotherapeuten, sind diese gleichsam qualifizierte Ersthelfer.

Die Ausbildungszeit zum Ersthelfer ist gesetzlich mit mindestens neun Stunden festgesetzt worden. Ein Kurs über lebensrettende Sofortmaßnahmen für Bewerber eines Führerscheins wird hierfür nicht anerkannt.