Kaufverträge jederzeit widerrufen?
Der Widerruf eines Kaufvertrages ist in der Regel nicht nötig. Der weit verbreitete Irrtum, jeder könne innerhalb von zwei Wochen gekaufte Ware wieder ins Geschäft zurückbringen, beruht darauf, dass viele Geschäfte einen solchen Rückgabeservice freiwillig anbieten. So kann man beispielsweise ein Kleidungsstück zu Hause in Ruhe vor dem Spiegel anprobieren, wenn man keine Zeit hat, sich in eine endlose Warteschlange an den Umkleidekabinen einzureihen. Diese Rückgabemöglichkeit steht in der Regel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Händlers und ist eine freiwillige Leistung des Verkäufers. Demnach kann man nicht bei jedem Kauf voraussetzen, dass der Händler die Kaufsache im Wege der Kulanz zurücknimmt, obwohl sie keinerlei Mängel aufweist.

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Widerruf beim Online-Kauf
Wer allerdings bei einem Online-Händler Waren bestellt, hat von vornherein keinerlei Möglichkeit etwa ein Kleidungsstück anzuprobieren oder ein Sofa zu testen. Diese besondere Sachlage bei Käufen über das Internet führt dazu, dass der Gesetzgeber Internetkäufern ein pauschales Widerrufsrecht einräumt. Dies gilt jedenfalls bei den meisten Produkten und kann zwei Wochen nach Erhalt der Sache ausgeübt werden. Wurde der Kunde nicht über das Widerrufsrecht belehrt, kann das Widerrufsrecht sogar noch länger bestehen. Hintergrund für das Widerrufsrecht ist, dass der Internetkäufer keine Möglichkeit hat, den Kaufgegenstand prüfend in Augenschein zu nehmen. Bilder im Internet ersetzen eine Prüfung, wie sie im Ladengeschäft möglich ist, nicht. Der Käufer darf also beispielsweise die bestellten Schuhe anprobieren oder Funktionen der Kamera testen. Er darf die Sache aber nicht ausgiebig benutzen und dann bei Nichtgefallen zurückschicken. Weist die Sache daher bei der Rücksendung Gebrauchspuren auf, kann der Verkäufer Ersatz verlangen.

Versandkosten beim Widerruf
Die Versandkosten für die Rücksendung der Sache nach einem Widerruf muss nach neuer Rechtslage immer der Käufer tragen. Die früher übliche Wertgrenze gilt nicht mehr. Allerdings bieten die meisten großen Online-Shops eine kostenlose Rücksendung an. Als Verbraucher sollten Sie sich aber vor einer Bestellung unbedingt über die Möglichkeiten und Kosten der Rücksendung erkundigen. Insbesondere dann, wenn Sie Kleidung oder Schuhe bestellen, die Sie vorher noch nicht anprobiert hatten. Wichtig: Nur wer als Verbraucher im Internet kauft, kann das Widerrufsrecht für sich beanspruchen. Bei Unternehmern wird vorausgesetzt, dass diese sich auf anderem Wege über die Beschaffenheit der Sache erkundigen bzw. entsprechende Absprachen treffen. Verbraucher sollen dagegen die Möglichkeit haben, ihre Kaufentscheidung noch einmal zu überdenken, nachdem sie den Kaufgegenstand in Händen gehalten haben. Früher reichte es aus, den Widerruf indirekt damit zu erklären, dass man die bestellte Sache innerhalb der Widerrufsfrist zurückgesendet hat. Heute muss der Widerruf ausdrücklich in Textform erklärt werden.

Wann beginnt die Widerrufsfrist?
Eine weitere Änderung betrifft den Lauf der Widerrufsfrist: Begann die zweiwöchige Frist früher bereits bei Abschluss des Kaufvertrages, läuft sie jetzt erst ab Erhalt der Ware. So ist sichergestellt, dass Lieferverzögerungen sich nicht zu Lasten des Käufers auswirken. Vom Widerrufsrecht abgesehen hat der Käufer, der über das Internet bestellt die gleichen Rechte und Pflichten, wie ein normaler Käufer. Ist die Sache beispielsweise mangelhaft, kann sie auch nach Ablauf der Widerrufsfrist zurückgegeben werden. Die gesetzliche Gewährleistungsfrist beträgt zwei Jahre. Innerhalb dieses Zeitraums, können Sie Mängel direkt beim Händler geltend machen. Bevor Sie die Sache direkt zurückschicken, sollten Sie sich aber mit dem jeweiligen Kundenservice in Verbindung setzen.