Wann kommt ein Kaufvertrag zustande?
Ob es um den Abschluss eines Kaufvertrages im Ladengeschäft oder im Internet geht – Verbraucher kennen leider häufig Ihre Rechte als Käufer nur unzureichend. Es fängt bereits beim Vertragsschluss an. Unsicherheiten bestehen beispielsweise, wenn es um die Frage geht, ob der Preis an der Ware oder im Prospekt verbindlich ist. Freut man sich zu früh über ein Schnäppchen, kann es an der Kasse schnell zu einer Ernüchterung kommen: Denn rechtlich gesehen, kann der Verkäufer es ablehnen, Ihnen die Ware zu dem ausgeschilderten Preis zu verkaufen. Wenn Sie als Käufer ein Produkt dem Kassierer übergeben, dann handelt es sich erst um das Angebot zum Abschluss eines Kaufvertrages. Der Verkäufer kann dieses Angebot nun annehmen oder ablehnen. Weist er Sie auf ein Versehen und den wirklichen Preis hin, dann macht er Ihnen damit ein eigenes Angebot zum Abschluss eines Kaufvertrages, das Sie annehmen oder ablehnen können. Einen Anspruch auf den Verkauf zum günstigeren Preis haben Sie nicht. In der Praxis machen aber viele Käufer die Erfahrung, dass man ihnen die Sache dennoch aus Kulanz günstiger überlässt. Gerade in großen Warenhäusern und Elektronikfachmärkten zählt dies zur Geschäftspolitik. Es hat aber auch einen wettbewerbsrechtlichen Hintergrund: Ein Wettbewerber könnte eine Abmahnung wegen unlauteren Wettbewerbs erwirken, wenn er erfährt, dass der Konkurrent durch vermeintliche “Schnäppchenpreise” Kundschaft in den Laden lockt.

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Online oder im Laden – das sind die Unterschiede
Etwas anders liegt der Fall, wenn es um den Kauf im Internet geht. Hier nimmt der Kunde ein Angebot des Händlers durch Klick auf den Kaufbutton an. Der Vertrag ist damit rechtsverbindlich zu den auf der Produktseite angegebenen Konditionen abgeschlossen worden. Hatte der Händler versehentlich einen zu günstigen Preis eingegeben, muss er den Vertrag daher trotzdem erfüllen. Allerdings hat der Bundesgerichtshof (BGH) den Händler hier eine Anfechtungsmöglichkeit zugesprochen, wenn der Fehler nachweisbar aufgrund eines Tippfehlers oder technischer Schwierigkeiten erfolgt ist. In dem Fall kann sich der Verkäufer auf einen Erklärungsirrtums berufen und den Kauf rückabwickeln. Denn anders als im Ladengeschäft kann er den Vertragsschluss nicht mehr beeinflussen und hat keine Kontrolle über das Zustandekommen des Vertrages

Form des Kaufvertrages
Der Vertragsschluss eines Kaufvertrages kann in der Regel mündlich erfolgen. Werden wertvolle Gegenstände, wie beispielsweise Pkw veräußert, dann ist zu empfehlen, einen Kaufvertrag immer schriftlich abzuschließen. Besonders wichtig ist es dabei, den vertragsgemäßen Zustand der Sache festzuhalten, insbesondere dann, wenn es um den Verkauf von gebrauchten Gegenständen und Fahrzeugen geht. Wer einen Kaufvertrag abschließt muss geschäftsfähig sein. In der Regel muss man das 18. Lebensjahr erreicht haben. Nur Käufe, die unter den sogenannten Taschengeldparagraphen fallen, können von Minderjährigen ohne Zustimmung der Eltern abgeschlossen werden. Ansonsten ist der Kaufvertrag einer Person, die nicht geschäftsfähig ist, unwirksam, solange er nicht vom gesetzlichen Vertreter oder Betreuer genehmigt wird.

Kaufvertragsabschluss durch Vertreter
Grundsätzlich ist es auch möglich als Vertreter einer geschäftsfähigen Dritten einen Kaufvertrag abzuschließen. Sie benötigen dazu eine Vollmacht. Diese kann zwar auch mündlich ausgesprochen werden, in der Regel wird sich aber der Geschäftspartner nicht auf mündliche Vollmachten verlassen. Um Ärger bei der Kaufabwicklung zu vermeiden, sollte man daher die Vollmacht stets schriftlich erteilen. Inhaltlich sollte klargestellt werden, ob es sich um die Befugnis handeln soll, nur ein bestimmtes Geschäft abzuschließen oder ob hier eine Generalvollmacht erteilt werden soll. Grundsätzlich reicht die einfache Unterschrift des Vollmachtgebers aus. Einige Kaufverträge bedürfen einer besonderen Form. So dürfen beispielsweise Grundstücksgeschäfte nur unter Hinzuziehung eines Notars abgeschlossen werden. Diese Form ist dann auch bei der Bestellung eines Vertreters zu beachten. Der Grundstückskaufvertrag muss also immer in Form einer notariellen Urkunde vorliegen, damit das Grundbuchamt entspechende Änderungen im Grundbuch vornimmt.