Karneval: Wie weit dürfen die Narren gehen?

28. Januar 2016
Die fünfte Jahreszeit startet am 11.11 um 11:11 Uhr

Die fünfte Jahreszeit startet am 11.11 um 11:11 Uhr

In der Zeit des Karnevals gelten andere Gesetze, so heißt es. Wie die Rechtsprechung das närrische Treiben beurteilt und darüber, was sich die Närrinnen und Narrhalesen unter dem Deckmantel der selbst ausgerufenen Grundrechte schon so alles erlaubt haben, gibt es auf Doktus einen Überblick. Der erste Teil der Serie dreht sich um den Start der Karnevalszeit.

Der Beginn der 5. Jahreszeit

Die fünfte Jahreszeit wird jedes Jahr am 11.11 um 11:11 Uhr mit der Fasnachtsproklamation eingeläutet. Das ist der Moment in dem die Rheinländer das närrische Grundgesetz verkünden. Da heißt es in Artikel 1 des närrischen Grundgesetzes von Mainz: „Die Würde eines jeden Narren ist unantastbar. Jeder Mainzer Bürger ist zur Erhaltung der Narrenfreiheit aufgerufen. Alle, auch unsere Beamten, die Behörden und natürlich auch die Stadtverwaltung haben das närrische Treiben zu erdulden. Denn die Fastnachter lassen sich für ihre Narrheiten nicht bezahlen.“ Trotz oder hier gerade wegen des Duldens des närrischen Treibens sind Gerichtstermine auch zu dieser Jahreszeit immer ernst zu nehmen. Der Befangenheitsantrag einer Klägerin, die der Ansicht war, der Richter trete ihre Menschenwürde mit Füßen, denn er wolle zum Ausdruck bringen, dass er den Streit als närrisch ansehe, weil er den Gerichtstermin ihrer Unterhaltsklage zur Weiberfasnacht am 11.11. auf 11:11 Uhr terminierte, ging deshalb ins Leere. Das OLG München beschloss, man könne auch von den Streitparteien in Familiensachen ein wenig Humor, zumindest aber Gelassenheit, erwarten. Sicherlich drückt Justitia zur Karnevalszeit immer mal wieder ein Auge zu. Doch auch die Narrenfreiheit kennt ihre Grenzen. Ganz nach dem Motto: „Irgendwann ist auch mal gut!“.

Karnevalsrede zum Download

Weiberfastnacht

Weiberfastnacht wird der letzte Donnerstag vor Aschermittwoch genannt. Er markiert den Übergang vom Sitzungskarneval zum Straßenkarneval. Dann geht es erst richtig los. Spätestens jetzt, nach dem man sich ausgiebig über die aktuelle Mode der uferlosen Kostümwelt informiert hat, steht fest, welches Gewand einen durch die jecke Zeit begleitet. Wer sich mit seiner Maskerade hinters Steuer eines Fahrzeuges setzen möchte, muss aber darauf achten, dass er freie Sicht hat. § 23 Abs. 1 Satz 1 StVO verlangt vom Fahrzeugführer dafür zu sorgen, dass seine Sicht und das Gehör nicht beeinträchtigt werden. Eine Darth Vader Maske könnte deshalb problematisch werden. Abgesehen von einem Holzbein, sollte auch der Pirat seine Augenklappe zum Fahren abnehmen.

Ist man auf der ersten Karnevalsfeier angekommen, gilt es die Fassung zu wahren und nicht blind drauf los zu stürmen. Wer sich ohne zu Fragen auf eine potentielle Tanzpartnerin stürzt, diese auf die Tanzfläche zerrt und dann einen Unfall verursacht, kann zur Zahlung von Schmerzensgeld verpflichtet werden. So geschah es im Raum Hamburg. Der temperamentvolle Herr, riss seine Wunschpartnerin schwungvoll auf die Tanzfläche. Vor lauter Übermut verlor er im selben Zug das Gleichgewicht, stürzte rückwärts aus dem geöffneten Fenster und zog seine Tanzpartnerin mit sich. Weil die Dame keine Gelegenheit hatte, in den Tanz einzuwilligen, lag kein gemeinschaftlicher Tanz vor und dadurch auch keine Haftungseinschränkung. Der Herr wurde zu 8.000 DM Schmerzensgeld verurteilt (OLG Hamburg, Urteil v. 05.10.1999 – 6 U 262/98).

Damit der Karneval nicht endet bevor er wirklich begonnen hat, sollte man – wie generell sonst auch – das eigene Verhalten an die vorhandenen Umstände anpassen. Auf einer Karnevalsveranstaltung muss auch mit einem glitschigen Boden durch verschüttete Getränke gerechnet werden. Hat der Veranstalter im Rahmen des Zumutbaren alles getan, um die Sicherheit des Verkehrs während der Dauer der Veranstaltung zu gewährleisten, ist er nicht zum Schadensersatz verpflichtet. Eine hundertprozentige Sicherheit kann vom Veranstalter aber nicht verlangt werden. Der feierlustige Narr besucht die Veranstaltung im gewissen Umfang auch auf eigene Gefahr (OLG Köln, Urteil v. 28.06.2002 – 19 U 7/02).

Bild: © Pixel / Fotolia.com

Hier geht es zu den weiteren Teilen der Serie:

Teil 2: „Rußiger Freitag“ bis „Nelkensamstag“: Was ist im Karneval erlaubt?

Teil 3: Rosenmontag bis Aschermittwoch: Wo endet die Narrenfreiheit?

Ramona Michelberger

Über Ramona Michelberger

Ramona Michelberger studierte Rechtswissenschaften in Konstanz. Ihr Referendariat absolvierte sie am Kammergericht Berlin. Seither arbeitet sie als Online-Redakteurin und Rechtsanwältin.

2 thoughts on “Karneval: Wie weit dürfen die Narren gehen?

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