Fluggastrechte: Was tun bei verloren gegangenem Gepäck?

Was tun, bei verspätetem Gepäck?

Was tun, bei verspätetem Gepäck?

Im dritten und letzten Teil der Serie „Fluggastrechte“ informieren wir über die Informationspflichten der Fluggesellschaften die sich aus der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 ergeben. Anschließend folgt ein Überblick über die Rechte der Fluggäste bei verloren gegangenem oder verspätet angekommenem Gepäck.

Pflichten der Fluggesellschaft

Jede Fluggesellschaft wird durch die EU-Verordnung verpflichtet, folgenden Hinweis bei der Abfertigung ihrer Fluggäste deutlich sichtbar anzubringen: „Wenn Ihnen die Beförderung verweigert wird oder wenn Ihr Flug annulliert wird oder um mindestens zwei Stunden verspätet ist, verlangen Sie am Abfertigungsschalter oder am Flugsteig schriftliche Auskunft über ihre Rechte, insbesondere über Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen.“ Sobald die Beförderung verweigert oder ein Flug annulliert wird, ist die betroffene Fluggesellschaft auch verpflichtet jeden ihrer Fluggäste schriftlich über dessen Rechte zu informieren. Das Informationsblatt muss dann über die Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen informieren, die den Gästen zustehen.

Das LG Berlin hatte vor nicht all zu langer Zeit über die Informationspflicht einer Fluggesellschaft zu entscheiden. Die Fluggesellschaft informierte auf ihrer Internetseite über die Rechte ihrer Kunden bei Überbuchungen, Annullierungen und Verspätungen. Allerdings wurden dort bestimmte Informationen weggelassen und teilweise falsch oder missverständlich wiedergegeben. Unter anderem wurde von der Fluggesellschaft „notfalls“ eine Hotelunterbringung angeboten, wenn Fluggäste auf Grund einer Annullierung eine Nacht auf dem Flughafen verbringen müssen. Das ist falsch, denn die Fluggesellschaft muss sich in derartigen Fällen um die Beherbergung kümmern. Sie wurde verurteilt, es zu unterlassen die Fluggäste fehlerhaft zu informieren (LG Berlin Urteil v. 08.10.2015 – 52 O 102/15).

Durchsetzung der Rechte

Die Ansprüche werden direkt bei der Fluggesellschaft geltend gemacht. Lehnt die Fluggesellschaft den Anspruch ab, können sich Fluggäste entweder an das Luftfahrtbundesamt (LFA) oder die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) wenden. Beim Luftfahrtbundesamt haben Fluggäste generell die Möglichkeit sich zu beschweren, wenn sich eine Fluggesellschaft nicht an die vorgeschriebenen Regeln hält. Das Luftfahrtbundesamt entscheidet aber nicht über Entschädigungsansprüche der Fluggäste. Verstößt die Fluggesellschaft gegen europäisches Recht verhängt das Luftfahrtbundesamt unabhängig von anderen Ansprüchen eine Strafe gegen die Fluggesellschaft.

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr

Bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) wird versucht eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen. Fluggäste können sich an diese wenden, wenn sie die Ansprüche nicht mit einem Anwalt durchsetzen möchten. An der Schlichtungsstelle sind alle deutschen und einige internationale Fluggesellschaften beteiligt. Allerdings hilft die söp nur Privatreisenden. Geschäftsreisende können sich nicht an die Schlichtungsstelle wenden. Nachdem die geltend gemachten Ansprüche durch die Schlichtungsstelle geprüft wurden, wird von dieser ein Vorschlag unterbreitet. Diese Empfehlung ist für die Fluggesellschaft und den Fluggast nicht bindend, wird aber meistens von beiden Seiten angenommen, was letztendlich zu einer Bindung führt.

Erstattung bei verspäteter Gepäckankunft

Haftungsrechtliche Fragen bei verspätetem, beschädigtem oder verloren gegangenem Gepäck, werden durch das Montrealer Abkommen regelt. Bei verspäteter Ankunft der Gepäckstücke dürfen sich Fluggäste die notwendigsten Dinge kaufen. Welche Gegenstände (Zahnbürste, Kleidung usw.) genau erstattet werden und wie genau die jeweilige Fluggesellschaft dies handhabt, darüber informiert die jeweilige Fluggesellschaft. Manche Fluggesellschaften gewähren für jeden Tag an dem das Gepäck fehlt einen bestimmten Betrag, andere zahlen nur einmal oder verteilen auch Zahnbürsten und Waschutensilien. Sofern notwendige Ersatzsachen gekauft wurden, müssen die Kosten dafür innerhalb von 21 Tagen bei der Fluggesellschaft schriftlich geltend gemacht werden.

Gepäckverlust oder beschädigtes Gepäck

Kommt das Gepäck nicht innerhalb von 21 Tagen an, wird der Verlust des Gepäckstücks vermutet. Die Fluggesellschaft zahlt dann eine Entschädigung in Höhe von maximal 1.240 Euro. Wurde das Gepäckstück durch die Fluggesellschaft beschädigt, muss sie auch hierfür eine Entschädigung zahlen. Auch hier ist die Obergrenze zurzeit bei ca. 1.240 Euro. Beschädigungen am oder im Gepäckstück müssen innerhalb von 7 Tagen bei der Fluggesellschaft geltend gemacht werden. Ob ein Gepäckstück beschädigt wurde oder ob es ganz verloren ging, in beiden Fällen muss der Passagier nachweisen was in dem Koffer war. Aus diesem Grund empfiehlt es sich vor Abflug eine Packliste anzufertigen.

Hier geht es zu den weiteren Teilen unserer Fluggastserie:

Teil 1: Welche Rechte haben Fluggäste bei Annullierung?

Teil 2: Fluggastrechte: Was tun bei Verspätung?

Bild: ©Konstantin Yuganov / Fotolia.com

0 Kommentare

Dein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.