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„Probleme und Zukunft des Landes aus Sicht eines Historikers“

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Eingestellt von:
rolfruediger
Beschreibung:
Die Probleme und Zukunft Deutschlands aus Sicht eines Historikers
Tags:
deutschland, politik
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Bekanntester deutscher Historiker referiert über Probleme und Zukunft des Landes und die Malaise der Deutschen mit ihrer Vergangenheit
Der 12. Juni 2006 hat seinen Platz in der Schulchronik sicher. Mit Prof. Dr. Arnulf Baring hatte sich einer der renommiertesten deutschen Historiker zu Besuch am Käthe-Kollwitz-Gymnasium angekündigt. Wie groß Interesse und Erwartungshaltung waren, belegt die Zuhörerzahl: Knapp 200 Besucher, darunter Schüler, zahlreiche Stammgäste sowie auch einige Lehrer hatten trotz schönen Wetters und Fußball-Weltmeisterschaft den Weg in unsere Aula gefunden. Auch Bundestagsabgeordneter Dr. Michael Luther und Landtagsabgeordneter Thomas Pietzsch wollten sich diesen Abend nicht entgehen lassen. Zurecht: Denn was nach der Begrüßung von Frau Becher und der Vorstellung des Referenten durch Frau Seichter folgte, war eine Lehrstunde in deutscher Zeitgeschichte. Es ist nicht so, dass Prof. Baring ausschließlich Neuigkeiten verkündet. Die Bevölkerungsentwicklung und die Staatsverschuldung macht er als die größten Probleme des Landes aus ­ beide sind hinlänglich bekannt. Barings Kunst ist es, komplizierte Sachverhalte treffend auf den Punkt zu bringen und so dem breiten Publikum verständlich zu machen. Seine Rednergabe ist beeindruckend: Arnulf Baring spricht über 60 Minuten frei, ohne Redundanzen, nie den Faden verlierend, immer das Wesentliche im Auge behaltend. Seine Prognosen für Deutschland sind von Pessimismus geprägt. Unser Land sei keine führende Industrienation mehr. Will es zukunftsfähig werden, bedürfe es der Förderung von Wissenschaft und Forschung. Dafür fehlten Geld und einschneidende Veränderungen. Letztere sind nach Ansicht Arnulf Barings mangels Einsicht in der Bevölkerung und kompetentem politischem Führungspersonal nicht in Sicht. Zudem kranke das Land am großen Einfluss und an der Verflechtung der großen Interessengruppen (Parteien, Gewerkschaften, Verbände, Medien). Die Große Koalition unter Angela Merkel ­ der Baring ob ihres nüchternen Regierungsstils im Vergleich zu ihrem Vorgänger gute Arbeit attestiert ­ müsse nun endlich Taten folgen lassen. Prüfstein sei die Gesundheitsreform. Die Politik ermuntert er, ehrlicher mit den Menschen umzugehen und unbeliebte, aber notwendige Maßnahmen im Interesse der jüngeren und kommenden Generationen durchzusetzen. Am meisten überzeugt Prof. Barings Offenheit. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht sensible Themen vorbehaltlos an. Von den Deutschen fordert er einen gelasseneren Umgang mit ihrer Geschichte, beklagt die starke Fokussierung und Reduzierung deutscher Geschichte auf das Dritte Reich. Deutsche Geschichte sei mehr als die zwölf Jahre zwischen 1933 und 1945, gleichwohl dürften diese niemals in Vergessenheit geraten. Heute brauche Europa ein starkes, ein selbstbewusstes Deutschland. Seine Botschaft in Anlehnung an Hegel: Weltbürgertum und Nationalbewusstsein schließen einander nicht aus, sind zwei Seiten derselben Medaille. Die Deutschen sollten einen gesunden, weltoffenen Patriotismus an den Tag legen. Damit meint Arnulf Baring jedoch keinesfalls Großmacht- und Symbolpolitik. Diese Zeiten seien vorbei und hätten dem Land schwer zugesetzt. In diesem Zusammenhang kritisierte Baring die Außenpolitik der SchröderRegierung, die mit der Mär, Deutschland vor dem Irak-Krieg zu bewahren, Wahlkampf gemacht und so die deutsch-amerikanischen Beziehung unnötig aufs Spiel gesetzt hatte. Auf das Thema Integration eingehend, warnte Prof. Baring davor, das deutsche Bevölkerungsproblem mittels ungesteuerter Zuwanderung lösen zu wollen. Diese Entwicklung fördere die Entstehung von Parallelgesellschaften und überfordere das Land. Gleich den anderen westeuropäischen Staaten müsse sich Zuwanderung daran orientieren, was ein Staat verkraften kann, um zunächst den Menschen Asyl gewähren zu können, die in ihrer Heimat verfolgt werden. Priorität habe dabei die Integration dieser Menschen. Und Integration bedeute, innerhalb einer

Generation so deutsch zu werden, wie wir es sind. Voraussetzung hiefür sei allerdings ­ so Barings abschließende Botschaft ­, dass wir Deutsche uns unsere Werte und Kultur bewusst machen und pflegen. An dieser Stelle sei noch einmal all denen gedankt, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben: Frau Seichter, der es wiederholt gelungen ist, mit der Unterstützung der KonradAdenauer-Stiftung und des Fördervereins des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums einen prominenten Gast für unsere inzwischen etablierte Lesungsreihe zu gewinnen, Herrn Hartsch und dem Filmteam um Herrn Helmsdorf für die technische Ausstattung sowie Herrn Dr. Luther, der als einer der Sponsoren fungierte.

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