Darf der Betriebsarzt Arbeitnehmer krankschreiben?

16. November 2016
Betriebsarzt Arbeitnehmer krankschreiben

Der Betriebsarzt darf keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausschreiben

Die kalte Jahreszeit bringt viele Krankheiten mit sich. Für den Betroffenen ist ein grippaler Infekt oder ein Magen-Darm-Virus schon unangenehm genug. Ist der- oder diejenige angestellt, dann wirkt sich das auch auf das Unternehmen aus. Der Arbeitnehmer muss in einem solchen Fall den Arbeitgeber sofort über den Ausfall informieren. Eine Krankschreibung stellt in dem Fall der Hausarzt aus. Darf aber auch der Betriebsarzt einen Attest auf kurzfristige Arbeitsunfähigkeit erstellen?

Grundsätzlich ist so etwas nicht erlaubt. Die Krankheit des Arbeitnehmers geht den Arbeitgeber nichts an. Ob es sich nur um einen Schnupfen handelt, ein Rückenleiden der Grund ist oder gar eine psychische Erkrankung die Ursache ist, darf die Firma nicht wissen. Würde ein Betriebsarzt die Diagnose stellen, steht der Mediziner prinzipiell in einem Interessenkonflikt zwischen dem Patienten und dem beauftragenden Unternehmen. Obwohl natürlich auch der Betriebsarzt der ärztlichen Schweigepflicht unterliegt, schreibt der Gesetzgeber vor, dass ein solches Dilemma erst gar nicht entstehen darf. Aus dem Grund darf der Betriebsarzt keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausschreiben. Krankschreiben dürfen nur Kassenärzte.

Betriebsarzt darf Krankschreibung nicht anzweifeln

„Krankfeiern“ und „Blaumachen“ sind ein weit verbreitetestes Phänomen. Zahlen belegen, dass sich etwa 10 – 14% aller Lohnempfänger gelegentlich krankschreiben lassen. Entgegen der Meinung einiger Arbeitgeber dürfen die vermeintlich Kranken bei Verdacht nicht unter Druck gesetzt werden.

Der Angestellte muss nicht einmal auf die Nachfragen zu seiner Krankheit seitens der Personalabteilung antworten. Kommt ein Arbeitgeber auf die Idee, den Betriebsarzt mit einer 2. Meinung zur Krankheit zu beauftragen, kann der Arbeitnehmer dieses Ansinnen abblocken. Arbeitsmedizinier dürfen nur die Tauglichkeit für die angepeilte Tätigkeit bzw. Position untersuchen.

Es macht nur unter bestimmten Umständen Sinn, den Betriebsarzt in die Krankengeschichte einzubeziehen. Etwa wenn im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) besondere Maßnahmen für einen ergonomischen Arbeitsplatz geschaffen werden sollen. Um die Maßnahmen auf das Leiden des Arbeitnehmers abzustimmen, muss der Mediziner Details kennen. Er wird dann von der Schweigepflicht gegenüber dem Arbeitgeber entbunden.

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Daniel Wilhelm

Über Daniel Wilhelm

Daniel Wilhelm, Jahrgang 1965, gebürtig aus Frankfurt am Main. Hat in München an der Ludwig-Maximilians-Universität Rechtswissenschaften studiert. Nach dem 2. Staatsexamen in Berlin arbeitete er bei einer Verbraucherschutzorganisation. Seit Anfang 2012 ist er freier Redakteur mit den Themenschwerpunkten: Mietrecht, Steuern und Verbraucherrecht.

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