Das häusliche Arbeitszimmer von der Steuer absetzen?

24. Februar 2016
Arbeitszimmer von der Steuer absetzen - nur wenn es ausschließlich beruflichen Zwecken dient

Arbeitszimmer von der Steuer absetzen – nur wenn es ausschließlich beruflichen Zwecken dient

Der Bundesfinanzhof hat erneut über die Möglichkeit, ein Arbeitszimmer von der Steuer abzusetzen, entschieden. Nach der Entscheidung vom 27.07.2015 (GrS 1/14) scheidet eine anteilige Berücksichtigung eines Arbeitszimmers aus. In dem Verfahren, das dem BFH vorlag, war streitig, ob Kosten für einen Wohnraum, der zu 60 Prozent zur Erzielung von Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung und zu 40 Prozent privat genutzt wird, anteilig als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehbar sind. Der BFH begründete seine Entscheidung mit dem im Gesetz ausdrücklichen Wortlaut. Die Absetzbarkeit knüpfe an ein „häusliches Arbeitszimmer“. Dieses setze voraus, dass der Raum wie ein Büro eingerichtet ist und ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einnahmen genutzt wird. Ein Arbeitszimmer in der Wohnung kann deshalb steuerlich nur geltend gemacht werden, wenn es nahezu ausschließlich beruflichen Zwecken dient.

Warum hat der BFH so entschieden?

Die Entscheidung des BFH ist nicht sonderlich überraschend. Sie steht im Einklang mit Entscheidungen zu den Reiseaufwendungen. Reiseaufwendungen können aufgeteilt werden, wenn sie teils geschäftlich, teils privat veranlasst waren. Aufgeteilt werden die Reiseaufwendungen nach den tatsächlichen Zeitanteilen. Eine entsprechende zeitliche Aufteilung eines Arbeitszimmers kommt aber nicht in Betracht. Das Einkommensteuergesetz (EStG) enthält hinsichtlich der Aufwendungen für ein Arbeitszimmer eine Spezialregelung, die den allgemeinen Grundsätzen im Steuerrecht vorgeht.

Wie begründet der BFH seine Entscheidung?

Die strikte Trennung zwischen geschäftlicher und privater Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers diene dazu, Gestaltungsmöglichkeiten zu unterbinden und den Verwaltungsvollzug zu erleichtern. Bei einer Aufteilung seien diese Ziele nicht zu erreichen. Der Umfang der jeweiligen Nutzung durch den Steuerpflichtigen ließe sich auch nicht objektiv überprüfen. Auch ein Nutzungszeitenbuch hält der BFH für keine geeignete Grundlage. Die darin enthaltenen Angaben hätten keinen über die bloße Behauptung hinausgehenden Beweiswert. Letztendlich könne eine sachgerechte Abgrenzung der betrieblichen und der privaten Nutzung eines häuslichen Zimmers nicht gewährleistet werden.

Wer kann ein Arbeitszimmer absetzen?

Zunächst bestimmt das Gesetz, dass die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht gewinnmindernd geltend gemacht werden dürfen. Davon gibt es eine Ausnahme, wenn für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Ist das der Fall, gehen die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer als steuerlich abzugsfähig in die Steuererklärung ein, allerdings nur bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 Euro. Diese Variante trifft beispielsweise auf Lehrer zu. Der Unterricht findet in der Schule statt. Dort sind aber keine Arbeitsplätze eingerichtet, so dass die Lehrer die Arbeiten zu Hause korrigieren. Bildet das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, kann das häusliche Arbeitszimmer ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden. Dann gibt es auch keine Beschränkung auf einen bestimmten Höchstbetrag. Hiervon profitieren Freiberufler, wie etwa ein Autor oder ein Lektor.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Bei dem häuslichen Arbeitszimmer muss es sich auf jeden Fall um ein separates Zimmer handeln, welches eine Tür vom übrigen Bereich klar trennt. Ein Durchgangszimmer reicht nicht aus. Die Wohnung muss insgesamt auch so groß sein, dass noch Platz zum Wohnen bleibt. So wurde vom Finanzamt ein Arbeitszimmer von 30 Quadratmetern in einer 47,7 Quadratmeter großen Zweizimmerwohnung bei einem Alleinstehenden abgelehnt. Das Zimmer muss auch zum Arbeiten eingerichtet sein. Schreibtisch, ein passender Stuhl und Regale sollten deshalb dominieren. Auch kleinere Deko-Gegenstände wie Blumen oder Bilder machen aus dem Arbeitszimmer noch keinen Wohnraum. Ein Gästebett darf aber nicht im Arbeitszimmer stehen.

Welche Kosten kann ich für das Arbeitszimmer geltend machen?

Für das Arbeitszimmer kann die anteilige Miete als Werbungskosten oder Betriebsausgaben in die Steuererklärung einfließen. Die anteilige Miete für das Arbeitszimmer umfasst auch die Nebenkosten sowie Kosten für die Ausstattung des Zimmers, Hausratsversicherung, Reinigungskosten, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen, Renovierungs- und Instandhaltungskosten oder Umzugskosten. Keine abziehbaren Aufwendungen stellen Luxusgegenstände wie etwa Kunstgegenstände und Designer-Möbel dar.

Bild: © georgejmclittle / Fotolia.com

Ramona Michelberger

Über Ramona Michelberger

Ramona Michelberger studierte Rechtswissenschaften in Konstanz. Ihr Referendariat absolvierte sie am Kammergericht Berlin. Seither arbeitet sie als Online-Redakteurin und Rechtsanwältin.

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