Arbeitsschutz wird in Deutschland großgeschrieben, aber wie sieht es in anderen Ländern aus?

Kinderarbeit ist leider nach wie vor ein großes Problem.

Schon in letzter Zeit haben wir immer mal wieder ein paar Daten aus Deutschland in unsere Berichte und Artikel einfließen lassen – das alles wollen wir aufgreifen und zusätzlich auch einen Blick über den Tellerrand wagen. Wie sieht es mit dem Arbeitsschutz in anderen Ländern und Kontinenten aus? In der EU? Asien und Afrika? In welche Richtung entwickeln sich die Bestrebungen für mehr Arbeitssicherheit?

Über 2 Millionen Tote weltweit durch Arbeitsunfälle

Traurige Nachrichten zuerst (leider): Auch wenn die Daten für 2016 noch nicht veröffentlicht wurden, kann man mit einer recht großen Sicherheit davon ausgehen, dass auch in diesem Jahr um die 2 Millionen Menschen weltweit durch einen Arbeitsunfall an ihrem Arbeitsplatz umgekommen sind.
2015 waren es ca. 2,3 Millionen Tote, die in die offiziellen Berichte einflossen – eine immens hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass die Dunkelziffer vor allem in Entwicklungsländern beträchtlich sein dürfte. In den letzten Jahren lag die Zahl derer, die bei der Arbeit verunfallten bei über 300 Millionen. Das entspricht knapp einer Millionen Unfälle pro Tag – von denen ca. 6.400 tödlich enden.

Die aktuellsten Daten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) beziehen sich ebenfalls auf das Jahr 2015. In diesem Jahr ereigneten sich in Deutschland erneut weniger als 500 tödliche Arbeitsunfälle – 470 waren es genau. Die Zahl der Arbeitsunfälle insgesamt lag bei 866.056 und damit um gut dreitausend Unfälle unter dem Vorjahreswert. Auch auf die Anzahl der Arbeiter gerechnet verbesserte sich der Wert – 21,98 Unfälle ereigneten sich je 1.000 Vollarbeiter, im Jahr davor waren es noch 22,27 Unfälle.

Deutschland auf Platz 5 in der EU

Pro Vollarbeiter gerechnet, ist Deutschland damit auf Platz fünf der sichersten Länder Europas. Noch besser schneiden nur die Niederlande, Großbritannien, Griechenland und Schweden ab.
An letzter Stelle rangieren Litauen, Portugal und Malta – Malta allerdings bietet relativ schwankende Daten – im Jahr davor, war die Rate pro 100.000 Arbeiter noch die beste der Europäischen Union.

Die Daten in den Ländern der Europäischen Union sind vermutlich recht vertrauenswürdig – in anderen Ländern dürften diese Daten etwas weniger genau sein. Indien beispielsweise: 222 offizielle tödliche Arbeitsunfälle pro Jahr – eine schwer vorstellbare Zahl angesichts der Arbeitsumstände und Bevölkerungszahl in Indien. Die Internationale Arbeitsorganisation spricht dagegen von etwa 40.000 Todesfällen. Noch prekärer scheinen die Arbeitsverhältnisse nur in China zu sein. Auch wenn die Umstände größtenteils etwas besser geworden sind, sind im vergangenen Jahr ca. 66.000 Menschen durch Arbeitsunfällen gestorben.

Kinderarbeit nach wie vor ein großes Problem

Ein weiteres Problem besteht nach wie vor in der Kinderarbeit. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten jedes Jahr weltweit 306 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren – 215 Millionen dieser Kinder arbeiten regelmäßig mehrere Stunden, 120 Millionen den ganzen Tag. Gut ein Drittel aller Kinder arbeiten unter gefährlichen Bedingungen – und das bleibt nicht ohne Folgen: Rund 22.000 Kinder sterben jedes Jahr bei Arbeitsunfällen.

Montag ist gefährlichster Tag in der Woche

Die meisten Unfälle passieren tatsächlich am Montag – mehr als anderthalb mal so viele verglichen mit dem Freitag. Dabei leben Menschen die im Büro arbeiten nicht viel sicherer als jene auf Baustellen oder in Fabriken. Pro Jahr sterben tatsächlich 300 Deutsche an Kugelschreiberteilen – wie viele davon allerdings während der Arbeit verschluckt werden ist nicht bekannt.
Der gefährlichste Kollege am Arbeitsplatz ist übrigens der Fussboden: Die meisten Unfälle ereignen sich durch Ausrutscher auf nassem Boden oder weil jemand stolpert. Insgesamt gab es 71.893 meldepflichtige Unfälle im Jahr 2011, deren Ursache mit dem Fussboden zu tun hatten.

Holzfäller, Hochseefischer und Fensterputzer gehören zu den gefährlichsten Jobs

Die gefährlichsten Berufe sind – laut dem US-Arbeitsministerium – trotzdem keine Bürojobs. Stattdessen sind die Unglücksraten bei Holzfällern und in der Hochseefischerei am höchsten – jedenfalls in den Vereinigten Staaten. Anders sieht es in Großbritannien aus: Hier leben Fensterputzer am gefährlichsten.

Immer mehr Nationen setzen sich für Arbeitsschutz ein

Gute Nachrichten gibt es aber auch: Die Zahl der Nationen die sich aktiv für bessere Arbeitsstandards einsetzen, steigt kontinuierlich. Mittlerweile haben über 130 Nationen die „Labour Inspection Convention“ ratifiziert, eine Konvention die Sicherheitsstandards und regelmäßige Kontrollen in Industriebetrieben vereinbart. Außerdem entstehen auch in Entwicklungsländern immer mehr Gewerkschaften, deren Ziel es ist, Arbeitsbedingungen zu verbessern. Auch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) und andere bedeutende Organisation haben sich dem Thema angenommen – die Hoffnung besteht also, das die Unfallzahlen in Zukunft reduziert werden können.

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